Altersmarker in der Pipeline: Biofunktionales vs. Kalendarisches Alter
Die Alternsforschung gehört zu den „Zukunftsfeldern neuen Zuschnitts“. Eine der aktuellen zentralen Aufgaben ist es, eine biofunktionale Alter(n)sdiagnostik am Menschen als eigenständiges Methodenportfolio zu entwickeln. Dies ist international erst in Ansätzen gelöst.
Deutschland hat auf diesem Gebiet eine weltweit anerkannte Tradition und verfügt vor dem Hintergrund eines erkenntnis- und systemtheoretisch fundierten Vorgehens über erste praktische Erfahrungen und hoch interessante weiterführende Lösungsansätze aus Gerontologie, Molekularbiologie und Regenerativer Medizin. Zudem können mathematische Klassifikationsprinzipien und wissensbasierte Bewertungskriterien, die über klassische statistische Bewertungsalgorithmen hinausgehen, zur Individualisierung der Altersmarker herangezogen werden.
Als breit gefächerte Applikationsfelder für diesen Ansatz gelten beispielsweise nicht nur Gerontologie und Alternsforschung, sondern auch
- Gesundheitsförderung, Prävention, Rehabilitation (z. B. ICF-kompatible Diagnostik-Systeme);
- Klinisch-kurative Medizin (z. B. Wirksamkeitsbewertung neuer Therapien bei altersassoziierten Erkrankungen; verbesserte Risikoabschätzung in der geriatrischen Chirurgie: no-go/ go-go- Kriterien; klin. relevante Endpunktbetrachtung Lebensqualität, Vitalität, Biofunktionales Alter)
- Ethische Pharmakomedizin (z. B. Erweiterung des strategischen Ansatzes Personalisierte bzw. Individualisierte Medizin); Gerichtsmedizin; OTC-Pharmakomedizin; Nahrungsmittelindustrie;
- Ressourcenorientierte medizinische Fachdisziplinen (z. B. Analyse- und Steuerungs-Module in Arbeits- und Sozialmedizin, Rehabilitationsmedizin, Sportmedizin, Regenerative Medizin …);
- Medizintheorie (z. B. Klassifikation personbezogener Kontextfaktoren/ICF der WHO)*;
- Gesundheitswissenschaften und Genderforschung (z. B. Lebensstile, med. Risikomanagement);
- Begutachtungspraxis (z. B. neues Unterstützungselement bei Flexibilisierung der Altersgrenze);
- Systematischer Einsatz des innovativen evidenzbasierten Methodenportfolios in der wirtschaftlichen Nutzenbewertung von medizinischen Leistungen**;
- Qualitätssicherung/ Ergebnisqualität; Zertifizierung von Leistungen der Gesundheitsmärkte;
Der Status quo des Wissens-, Erfahrungs- und Planungsstandes auf dem Gebiet der Alter(n)sdiagnostik wird durch Experten vorgestellt und mit den Interessenten offensiv diskutiert und dabei der Kontext zu ICF-kompatiblen Assessments und Qualitätssicherungsverfahren explizit hergestellt.
*Viol, M et al.(2006): ICF - Personbezogenen Kontextfaktoren, Teil I. Gesundheitswesen 68: 747-759
** Vgl. www.vitalitaet-und-arbeit.de (Archiv 2008)
Moderatoren
Prof. Dr. Andreas Simm
Interdisziplinäres Zentrum für Altern Halle, Universität Halle-Wittenberg
Dr. Jochen Steiniger
Franz-Volhard Clinical Research Center
am Experimental and Clinical Research Center Berlin,
Charité Campus Buch
Dr. Norman Bitterlich
Europäische Vereinigung für
Vitalität und Aktives Altern e.V., Berlin
Dr. Joerg Hackermüller
Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig
Kontext
Die Fraunhofer Veranstaltungsreihe „Demografie und Gesundheitsressourcen“ sensibilisiert Entscheidungsträger und Akteure einer breiten Öffentlichkeit für den damit verbundenen Innovations-, Kompetenz- und Wissenstransfer in die Dienstleistungs- und Bildungslandschaft und in die gesellschaftliche Praxis hinein.
Das Innovationsforum 2010 unterlegt darüber hinaus aus Kunden- und Verbrauchersicht, aus der Sicht der Akteure und mit innovativen wissenschaftlich-fachlichen Lösungen die notwendige stärkere Verzahnung von erstem und zweitem Gesundheitsmarkt. Diese findet derzeit vor allem unter der wirtschaftlichen und ethischen Herausforderung „Vitalität und Arbeit“ (Fit4Work, Gesund in die Rente, Flexible Altersgrenze …) statt.
Stand 18.11.2010 -